Ein Freund fragt mich, ob ich seinen CD-Player reparieren könne. Die Schublade öffne sich nicht. Ich sage, dass ich da Erfahrung hätte, und frage nach dem Modell.
Es ist nicht IRGENDEIN Modell, sondern ein Sony CDP-101. Der CDP-101 (Foto 1) kam 1982 als erster kommerziell erhältlicher CD-Player auf den Markt.

Mit einigem Respekt beginne ich die Fehlersuche. Es gibt Videos, in denen die festsitzende Schublade beschrieben wird, aber mit der Suche nach dem Fehler und wie man ihn behebt, lassen sie einen alleine.
Bald finde ich heraus, dass das Öffnen der Schublade in zwei Phasen erfolgt: Zuerst muss ein Motor einen dunkelgrauen Schlitten so weit nach oben schieben (Foto 2, roter Pfeil), dass ein Hebel (gelber Pfeil) umgelegt wird, der das Ausfahren der Schublade freigibt. Doch bei diesem Player schafft es der Schlitten nicht bis zum Umlegen des Hebels. Ein Timeout sorgt dafür, dass der Motor nach etwa 5 Sekunden verblichen Mühens in die Ausgangsposition zurückfährt.

Ich lege den Schlitten und den Hebel frei, reinige alles und schmiere mit PTFE-Schmiermittel. Nichts ändert sich.
Ist etwa der Motor (Foto 2, grüner Pfeil) zu schwach? Ich löse die zwei Halteschrauben, betätige den Öffnen-Button – der Motor dreht sich schnell und kräftig.
Es können daher nur noch die drei Zahnräder schuld sein, die von der Schnecke dieses Motors angetrieben werden. Tatsächlich sind die drei Rädchen auch nach Lösen der Schnecke des Motors und des gelblichen Zahnkeils (Foto 2, blauer Pfeil) extrem schwergängig.
Also (Fotos 3 und 4): die drei Rädchen ausbauen, die verkrustete Ur-Schmierung entfernen, frisches PTFE-Schmiermittel auftragen und alles wieder einbauen.

Ergebnis: Die Schublade fährt wieder aus (Video 1)!
Der kritische Punkt für die Freigabe der Schublade wird jetzt nach etwa 2 Sekunden erreicht (Video 2).
Reparaturmaterial: Wenige Milliliter Isopropanol und ein paar Kleckse PTFE-Schmiermittel. Nach ausgeleierten, brüchigen oder gerissenen Gummiriemen muss man beim CDP-101 nicht suchen, denn alle beweglichen Teile werden direkt von Motoren angetrieben!
Der Laser und dessen Antrieb/Steuerung sind fit, das heißt alle getesteten CDs werden gelesen und man kann im Titel-Sprung sowie im schnellem Vor- bzw. Rücklauf zielsicher jede Stelle ansteuern.
Info zu dem Digital-Methusalem gibt es hier.
Klasse! So ist der Senior wieder fit für den Einsatz.
Ein tolles, nachhaltiges Ergebnis, ganz ohne Ersatzteile. Ich bin begeistert!